Es gibt Dinge im Leben, die sind einfach selbstverständlich. Und gerade weil sie selbstverständlich sind, ist man nur all zu oft geneigt, sie in Vergessenheit geraten zu lassen.

Auf Boote umgelegt, scheint der Blower eines der Utensilien zu sein, denen ein solches Schicksal immer wieder zuteilwird. Klar! Einsam und alleine fristet er sein Dasein irgendwo in den hintersten Ecken des Motorraums. Weitab vom Glanz und der Glorie einer schicken (wenn auch vergleichsweise absolut sinnlosen) Unterwasserbeleuchtung am Heckspiegel. Nur ein dezenter Schalter irgendwo im Cockpit erinnert an seine kärgliche Existenz.

Und so ist es auch keine Seltenheit, dass man in den sozialen Netzwerken oder auch auf Youtube in regelmäßigen Intervallen auf Berichte oder Videos stößt, in denen sich der Eigner nach dem Tanken hastig hinter sein Lenkrad klemmt, um sodann sein geliebtes Boot mit einem kurzen Dreh des Startschlüssels in die Luft zu jagen.

Video: ein Boot explodiert nach dem Tanken in Ponza (Italien)

Wozu Blower da sind

Im Motorraum eines Bootes sammeln sich neben durchrosteten Getränkedosen und ausgedienten Fendern nun einmal leider auch Kraftstoffdämpfe, welche im Falle von benzingetriebenen Motoren die unangenehme Eigenschaft haben, in Verbindung mit dem Luaftsauerstoff ein hochexplosives Gemisch zu bilden.

Fügt man diesem nun noch eine Zündquelle wie einen kleinen Funken aus dem Starter oder der Lichtmaschine hinzu, so ist das Unglück natürlich perfekt.

Um dies zu verhindern, sehen alle einschlägigen Regularien wie die Recreational Boating Directive oder auch die amerikanischen ABYC Standards für geschlossene Motorräume auf Booten mit Benzinmotoren eine Zwangsentlüftung vor, um allfällig angesammelte Kraftstoffdämpfe vor dem Starten abzusaugen.

Die richtige Blower Kapazität

Doch um dies zu bewerkstelligen, nützt es nichts, sich auf die physische Anwesenheit eines Blowers zu verlassen. Er muss eben auch zeitgerecht eingeschaltet werden und lange genug laufen.

Wie lange, hängt von der Kapazität des Blowers und der Größe des Motorraums ab. Und was ersteres angeht, sieht die ISO Norm 11105 ganz klare Richtlinien vor:

Blower Kapazität nach ISO 11105

Ein Beispiel: beträgt das Netto-Motorraumvolumen (also das Gesamtvolumen abzüglich des Volumens fester Einbauten) bis zu 1 Kubikmeter, so ist eine Blower-Kapazität von 1,5 Kubikmetern pro Minute oder 90.000 Liter pro Stunde (1,5x1000x60) vorgesehen.

Folgt man bei obigem Beispiel nun der allgemeinen Empfehlung von 4 Minuten Blower-Laufzeit, so bedeutet dies, dass das darin enthaltene Volumen zumindest 6-fach umgesetzt wurde. Werfen Sie am besten einen Blick in die Betriebsanleitung Ihres Bootes, um die jeweiligen Vorgaben des Herstellers zu eruieren.

Die richtige Blower Installation

Ein weiterer wesentlicher Punkt, um eine ordnungsgemäße Funktion des Blowers sicherzustellen, besteht in der Verlegung der Ansaugleitung. Da Kraftstoffdämpfe schwerer sind als Luft und sich folglich vorwiegend in Bodennähe sammeln, sollte die Ansaugöffnung immer im unteren Drittel des Motorraums liegen, um eine maximale Effizienz zu gewährleisten.

Schema: Blower Installation (Quelle: Jabsco)

icon attention ACHTUNG! Die Strömungsrichtung des Gebläses muss immer nach aussenbords gerichtet sein!

Worauf beim Kauf eines Blowers zu achten ist

icon attentionWie bereits weiter oben erwähnt, sollten Sie beim Kauf eines Blowers zu aller erst darauf achten, ob er den Kapazitätsanforderungen im Bezug auf die Größe des Motorraums entspricht.

icon attentionAchten Sie ferner darauf, dass ein Explosionsschutz gemäß ISO 9097 bzw. ISO 8846 gewährleistet ist.

Und vor allem: vergessen Sie nicht, ihn vor dem Starten der Maschine(n) auch einzuschalten!

Herzlichst,

Ihr Ing. Ingolf Schneider, MASc (AssocRINA)
Sachverständiger für Boote und Yachten

Schreibe einen Kommentar